Editorial im Juni 2026

Liebe Leser,
Pfingsten, die Sendung des Heiligen Geistes steht manchmal im Schatten der Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist ist aber für uns besonders wichtig. Das Wort „Hier herrscht ein anderer Geist“ drückt das besonders aus. Deswegen ist es auch richtig, dass wir uns im Juni an die Bedeutung des Heiligen Geistes erinnern. Dass in der Katastrophe am Ende des 2. Weltkrieges drei Männer hervortraten, war ein besonderer Glücksfall für die Menschen in Europa. Die Gründungsväter des vereinten Europas stießen zunächst auf Unverstädnnis in ihren Heimatländern. „Sie sind ein Bundeskanzler der Alliierten“ musste sich Konrad Adenauer anhören. Es klingt wie das „Il Austriaco“, das nicht nur in Trentino hinter vorgehaltener Hand zu hören war, weil Alcide de Gaspari den Trentino vor dem I. Weltkrieg im Wiener Parlament vertrat. Auch das getuschelte Wort zum Freund der Deutschen war durchaus in Gallien hörbar, wenn Robert Schumann sprach.
Das Gegenteil des Heiligen Geistes ist die Lähmung. Die Lähmung markiert das Unvermögen, aufeinander zuzugehen. Wir bekommen immer nur die Bilder der Trümmerfelder im Iran und im Libanon zu sehen. Als Petrus mit den Jüngern am Pfingsttag vor die Menge trat und Jesus als den Messias Gottes bezeugt hatte, forderte er das ganze Haus Israel auf dies zu erkennen. „Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“. (Apg 2,37-38)
Papst Leo war auf seiner Reise durch Afrika unter anderem in Angola, einem Land, das von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg heimgesucht worden war und dessen Narben noch nicht verheilt sind, um für die Kraft der Versöhnung zu werben. Wir sind in Europa mit dem Krieg in der Ukraine konfrontiert. Wir können uns fragen, ob die Versöhnung mit Russland einen Weg für die Aussöhnung zulässt, oder ob die Aufrüstung zur zweiten Militärmacht in der Nato nach der USA einen Weg aus der Krise ermöglicht, oder ob es keinen Ausweg dafür gibt. Das Recht der Ukraine, die Form der Unabhängigkeit selbst zu bestimmen, muss anerkannt bleiben. Wird das gelingen? Das ist ungewiss, wenn es nur auf die menschlichen Fähigkeiten ankommt. Lasst uns wie Petrus auf Gott vertrauen und dies in die Welt tragen.
Mit den besten Wünschen aus Kaufering
Ihr
Hubert Gindert