Editorial im Februar 2012

prof dr hubert gindert

Liebe Leser,

 

„Die Heiligen sind die wahren Lichtträger der Geschichte, weil sie Menschen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sind“, sagt Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus Caritas est – Gott ist die Liebe“. Was fasziniert an diesen Menschen? Sie sind identisch. Sie waren nicht nur Wegweiser zu Christus hin. Sie sind diesen Weg auch gegangen. Wer ihr Leben im Geiste vorbeiziehne lässt, sieht dies. Wer das Buch „Die neuen Heiligen der Katholischen Kirche“ von Stephan Wirth liest, kann das erleben. Diese Menschen haben das beantwortet, was Benedikt XVI. in seiner Freiburger Rede mit „Entweltlichung“ gemeint hat. Sie waren Glaubenszeugen in allen Berufen und Milieus. Sie fühlten sich zuständig für jede geistige und materielle Not. Sie hatten keine Zeit für Strukturdebatten und Dampfplaudereien, die von den eigentlichen Fragen nur ablenken, sie aber nicht lösen. Sie waren überzeugt, dass sie von Gott vor eine Aufgabe gestellt waren. Das erklärt, warum sie sich mit Glauben und Begeisterung den Herausforderungen ihrer Zeit gestellt haben.

 

Neuheiden und bloße Kulturchristen sind bei uns noch in großer Zahl bereit, für soziale und kulturelle kirchliche Einrichtungen ihren Kirchensteuerbeitrag zu entrichten. Eine Weiterentwicklung des kulturellen Erbes setzt aber ein missionarisches Engagement voraus. Das Neuheidentum ist aber bestenfalls noch kulturkonservativ. Das erinnert an eine Epoche aus dem Ende des Römischen Reiches.

 

Gegen Ende des vierten Jahrhunderts ließ Kaiser Gratian (378 -383) die heidnischen Tempel in Rom schließen. Der Protest hielt sich in Grenzen. Als Gratian auch das Standbild der Göttin Victoria aus dem Senat entfernen ließ, trat der Senator Symmachus, der wortgewaltige Sprecher der heidnischen Minderheit, dagegen auf. Er sagte zum Kaiser: „Welche Bedeutung hat es, welchen Weg man wählt, um zur Wahrheit zu gelangen? Was zählt, ist das Wissen, dass man sie nicht erreicht“. Symmachus bezeichnete sich als Agnostiker und Skeptiker. Skeptiker haben noch nie die Welt verändert.

 

Es gibt Theologen, die verhalten sich wie Symmachus im alten Rom. Für sie gibt es nicht die Wahrheit, die in der Kirche fortdauert, allenfalls ein Bemühen um Wahrheit in den verschiedenen Religionen. Mission ist ihnen deshalb suspekt. Umkehr und Rückkehr zur Botschaft Christi, Neuevangelisierung halten sie für abwegig. Wer möchte bezweifeln, dass dieser skeptische Geist in kirchliche Gremien und Strukturen eingedrungen ist. Das beantwortet auch die Frage, warum der Appell zur Neuevangelisierung auf taube Ohren stößt.

 

Der wirkliche Gegenspieler des heidnischen Senators Symmachus war nicht der Kaiser, sondern Bischof Ambrosius. Der große Kirchenlehrer und Mailänder Bischof war ein Mann der überzeugenden Glaubenskraft, der den suchenden Augustinus von der Wahrheit der christlichen Botschaft, nicht aber den skeptischen selbstgefälligen Symmachus überzeugen konnte.

 

Unsere Zeit braucht geistige Führer vom Format des Ambrosius, der nach seiner Bischofsweihe sein ganzes Leben in den Dienst der Kirche stellte. Er versuchte aber nicht, die Probleme auszusitzen oder sie auf Kommissionen und Konferenzen abzuschieben, sondern griff sie mit Gottvertrauen und Tatkraft auf. Ein ermutigendes Beispiel für unsere Zeit.

 

Mit den besten Wünschen aus Kaufering

 

Ihr Hubert Gindert

 

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