Editorial im Februar 2024

pfr oblinger

Liebe Leser,

 

wir haben uns für das Jahr 2024 alles Gute gewünscht. Sicher war das in den meisten Fällen auch so gemeint. Manche haben ihre Wünsche auch mit „friedlich“ konkretisiert. Nun gehen wir bereits in den zweiten Monat des neuen Jahres hinein und alles scheint so zu sein, wie es im alten gewesen war. Das kann auch nicht anders sein. Denn wir sind mit dem Ballast des alten Jahres in das neue eingetreten: Den Kriegen mit ihren Folgen für uns, mit den Gefahren des Klimawandels, mit den Beschlüssen des Synodalen Weges in der katholischen Kirche in Deutschland und mit den Folgen der „Fortschrittskoalition“ der Bundesregierung. Hier etwas kurzfristig zu ändern liegt nicht in unserer Hand. Wo wir in die Gesellschaft hineinwirken können, liegt das im familiären und überschaubaren Bereich – zusammen mit Gleichgesinnten oder mit Menschen guten Willens.

 

Wenn sich nach der repräsentativen Untersuchung nurmehr vier Prozent der deutschen Katholiken als „religiös und kirchengebunden“ bezeichnen, steht die Frage Jesu im Raum „wollt auch ihr gehen?“ Es geht darum, dass das Licht des glimmenden Dochts nicht erlischt durch kleine Gruppen, die sich am Wort des Herrn stärken und miteinander beten. Aus der Geschichte können wir auch heute Mut schöpfen: Auf dem ersten ökumenischen Konzil 325 in Nizäa ging es um die Frage, war Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch. Nur zwei Bischöfe unterschrieben diese Erklärung nicht. Wenige Jahre danach lehnten das nahezu alle Bischöfe ab. Sie waren von der Wahrheit abgefallen. Erst 361 setzte, nach dem Kirchenhistoriker Hubert Jedin, der allmähliche Umschwung ein.

 

In diesem Monat erinnert uns die Kirche an die Bußzeit, um Ballast abzuwerfen und aus der Mittelmäßigkeit herauszutreten. Um konkreter zu werden, erinnern wir in dieser Felsausgabe an den zweiten Apostel Deutschlands, Petrus Canisius. Bischof Bertram Meier stellte ihn auf einer Veranstaltung in Heiligenkreuz vor. Canisius hat in einer Zeit gelebt, die der unsrigen sehr ähnlich war. Das Lebensmotto von Canisius lässt sich mit dem Wort „Persevera“! zusammenfassen. Es lässt sich mit „halte durch“, „bleib dran“, „sei beharrlich“ übersetzen. In rastloser Sorge um die Seelen legte Canisius – so hat man errechnet – mehr als 100.000 km, meist zu Fuß, zurück. Als er in die damals ca. 75.000 Einwohner zählende Stadt Augsburg gerufen wurde, war höchstens noch ein Zehntel der Bewohner dem katholischen Glauben treu geblieben. Petrus Canisius hat diese Zahl durch Gebet, Predigten, Beichtsitzen und seine Glaubwürdigkeit gewaltig verändert.

 

Wer an der Erneuerung der Kirche in Deutschland mitarbeiten will, der kann auch Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zum Wegweiser nehmen. Ratzinger hat 1970 als Professor in Regensburg gesagt: „Die Zukunft der Kirche wird auch dieses Mal, wie immer, von den Heiligen neu geprägt werden. Von Menschen also, die mehr wahrnehmen als die Phrasen, die gerade modern sind. Von Menschen, die deshalb mehr sehen können als andere, weil ihr Leben weitere Räume umfasst“.

 

Mit den besten Grüßen aus Kaufering

Ihr Hubert Gindert

und das Redaktionsteam

 

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