Editorial im Juli 2021

prof dr hubert gindert

Liebe Leser,

 

wer morgens aufsteht und nicht nur in den Tag hineinleben möchte, fragt sich, ob er den heutigen Aufgaben gerecht werden und wo er die Kraft dazu nehmen kann.

 

Wer noch einen Blick in die Zeitung wirft, um sich über sein Umfeld zu informieren, kann diese Überschriften lesen: „Kommt der digitale Impfpass noch rechtzeitig – warum Experten an dem geplanten Start Ende Juni zweifeln“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 24.5.21). Da kommt das Wort von Erzbischof Gänswein in den Sinn: „Klar wird heute dabei einmal mehr, dass sich unsere Welt nicht so beherrschen lässt, wie wir uns das mit all unserer Weisheit und Wissenschaft gemeinhin gern einbilden mögen“. Er stellt fest, dass das Virus der Spanischen Grippe, die von 1918 bis 1920, 50 Mio. dahinraffte, die Menschen „nicht halb so geängstigt hat, wie heute die COVID-19-Seuche“. Die Medizin hat seitdem riesige Fortschritte gemacht. Die Wissenschaftler blicken immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens hinein. Ob ihnen auch ein Magnifikat über die Größe Gottes und der Schöpfung über die Lippen kommt?

 

Ein Artikel schreibt von „hundert teilnehmenden Gemeinden an Segnungsfeiern für homosexuelle Paare“. Einer der Initiatoren der Segnungsfeiern vom 10. Mai, der Pfarrvikar Wolfgang Rothe, sagt selbstbewusst: „An diesem Tag haben wir Geschichte geschrieben.“ Die Segnungsfeiern für homosexuelle Paare richten sich gegen das Schreiben der römischen Glaubenskongregation vom 22. Februar 2021. Oliver Maksan: „Die deutsche Ortskirche wird auch nach dem 10. Mai weiter im Graubereich mit dem unversöhnlichen Nebeneinander vieler Widersprüche existieren“ (Tagespost, 14.5.2021). Die Lähmung wirkt sich auch auf die Ökumene aus. Eine Schlagzeile lautet „Warum interessieren sich die Kirchen so wenig füreinander? Vor dem Ökumene-Fest in Frankfurt herrscht eine erstaunliche Lustlosigkeit“ (AZ, 12.5.21). Nachdem die Aufregerthemen wie „Gemeinsames Abendmahl“ und die Forderungen der Kirchenveränderer des Synodalen Weges, wie „Neue Sexualmoral“, „Frauenpriestertum“ für den ökumenischen Kirchentag offiziell tabu sind und Umdenken und Umkehr zum Wort Jesu Fremdwörter geworden sind, kann keine Freude am Glauben aufkommen. Der Pfarrer von St. Marien von Wittenberg gibt den Katholiken einen interessanten ökumenischen Nachhilfeunterricht. Er sagt „mit Sorgen beobachte ich die Protestantisierung in unserer katholischen Schwesterkirche … den Synodalen Weg halte ich für einen Irrweg … schauen sie auf die evangelische Kirche in Deutschland. Dort ist all das, wofür sie kämpfen, Realität. Der geistliche und physische Zustand ist indes noch schlimmer als in der katholischen Kirche. Ich als Protestant auf der Kanzel Martin Luthers würde die Protestantisierung der katholischen Kirche für ein großes Unglück halten, denn diese Welt braucht das katholische Profil der katholischen Spiritualität mit Papsttreue, Marienverehrung und dem Beispiel der Heiligen …“ (Vaticanmagazin, 5/2021, S. 13). So gestützt von einem Protestanten kann sich der glaubenstreue Katholik auf seinen Weg in den Tag machen.

 

mit den besten Wünschen aus Kaufering

 

 

 

Ihr Hubert Gindert und das Redaktionsteam

 

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