Glaubenszeugnis Juli 2021

Bechtel und Schlicker

Lehrling Heinz-Udo Hallau
wird von Hitlerjungen zu Tode geprügelt

 

 

Der am 12. Januar 1926 in Bielefeld geborene Heinz-Udo Hallau stammte aus einer gemischt-konfessionellen Ehe. Die tiefreligiöse Mutter erzog ihn und seine drei Geschwister im katholischen Glauben, was der evangelische Vater tolerierte. In der Pfarrei St. Jodokus war Heinz-Udo begeisterter Messdiener. In den Gruppenstunden nahm er die Glaubenswahrheiten tief in sein Herz auf. Zu Christus bekannte er sich, Christus anerkannte er als Führer seines Lebens. Er wusste, dass die Teilhabe an Christus auch Verfolgung und Leid bedeuten konnte.

 

Nach der Mittleren Reife trat Heinz-Udo eine Küferlehre bei dem Weinhändler Franz Biermann an. Nicht freiwillig war Hallau Mitglied der HJ. Er ließ sich mutig vom Sonntagsdienst befreien, um regelmäßig den Vikar Lipka in die Lazarette in Bethel zu begleiten, dort den Altar aufzubauen und zu ministrieren. In den Augen der HJ war er ein Dienstverweigerer. Man bedachte ihn mit Spott und Hohn.

 

Heinz-Udo Hallau ist der jüngste Zeuge für Christus, den das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts verzeichnet. Bei der Bestimmung des Martyriums richtet sich die Kirche seit Papst Benedikt XIV. (1675 - 1758) wesentlich nach drei Kriterien.

 

1. Ist Hallau eines gewaltsamen Todes gestorben? Ja. Am 2. Mai 1943 wurde Hallau in den Abendstunden von einer sogenannten Jugendschutzstreife der HJ auf der Straße angehalten und auf die Banndienststelle gebracht. Dort wurde er von acht bis zehn Hitlerjungen erbarmunslos mit Fäusten und Riemen zusammengeschlagen. Der brutale HJ-Führer Sommer verhörte ihn über die Jugendarbeit in St. Jodokus und die Tätigkeit der beiden Vikare Doerr­ und Lipka, die er der Homosexualität verdächtigte. Da Hallau sich jedoch weigerte, auszusagen, brachte ihn die HJ blutend und sichtlich mitgenommen zum Gestapoquartier. Hallau wurde über Nacht in eine Zelle gesperrt und am nächsten Morgen nach einem Verhör durch die Gestapo nach Hause geschickt. Er starb nach langem Aufenthalt in den Krankenanstalten Bethel am 19. August 1943 mit 17 Jahren an den Folgen der erlittenen Torturen.

 

2. Ist das Motiv des Glaubens- und Kirchenhasses bei den Verfolgern festzustellen? Ja. Der NS-Staat sah die riskante Bedeutung der Messdienerarbeit darin, dass hier eine erfolgreiche Gegenbewegung zur NS-Erziehung existierte, die weltanschaulichen und institutionellen Rückhalt hatte. Die Gestapo verfolgte aufmerksam die kirchlichen Aktivitäten. Die Vorwürfe lauteten auf illegale Gruppenbildung und Zersetzung der Staatsjugend.

 

3. Ist eine bewusste innere Annahme des Willens Gottes trotz der Lebensbedrohung festzustellen? Ja. Die Mutter Hallaus schrieb 1954 über ihren Sohn: „Mein Sohn Heinz-Udo hat sein Leben hergeben müssen, weil er (...) für die kranken und verwundeten Soldaten jeden Sonntag den Altar aufbaute und bei der hl. Messe diente (Feldgottesdienst).“ Er hat alles zur größeren Ehre Gottes getan. Sein Führer war Jesus Christus im Leben wie im Tod.

 

Hermann Rieke-Benninghaus

 

zurück zu aktuell zurück