Glaubenszeugnis Mai 2022

Bechtel und Schlicker

Bruder Virgilius Petri FFSC
wird Opfer des gottlosen NS-Regimes

 

 

Johann Petri wurde am 30. 3. 1889 im saarländischen Köllerbach im Ortsteil Kölln geboren und trat mit 14 Jahren in Hausen in die Kongregation der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz ein. 1907 wurde er eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Virgilius. Nun trug er einen braunen Habit mit Hemdskragen, einen Strick und ein Skapulier als Ordenstracht. Über dreißig Jahre war Bruder Virgilius für Schwerbehinderte in einem Haus des Ordens in Waldbreitbach (Westerwald) hingebungsvoll tätig. Diese wurden später fast alle Opfer der Krankenmorde des NS-Regimes.

 

Unmissverständlich hatte Papst Pius XI. in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ 1937 Stellung gegen die gottlosen Irrlehren der NS-Ideologie genommen. Als Reaktion darauf wurden zahlreiche Ordenseinrichtungen staatlich aufgelöst. Petri ging nach Mainz zu den Brüdern des Johannesbundes und war Küster in der Notkirche St. Alban in Mainz-Oberstadt. Er war bescheiden, lebte zurückgezogen und wahrte den Geist seiner Ordensberufung.

 

Anfang des Jahres 1942 kaufte er in einer Bäckerei ein. Im Radio wurden Siegesmeldungen verkündet. Bruder Virgilius bemerkte dazu, dass man sich im Ersten Weltkrieg auch schon zu Tode gesiegt habe. Eine Frau denunzierte ihn wegen dieses einen Satzes, den sie als fanatische Regimeanhängerin als staatsgefährdend betrachtete. Er wurde verhaftet, kam in das Gefängnis in Mainz und von dort in das KZ Dachau. Er wurde als krank und arbeitsunfähig erklärt und mit einem Invalidentransport in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz gebracht. Am 20. Mai 1942 wurde er in der Gaskammer ermordet.

 

In Schloss Hartheim, dem Mordzentrum für Opfer aus der „Ostmark“, wurden mehr als 18.000 Menschen in dem Euthanasieprogramm T4 für Psychiatriepatienten und Behinderte bis August 1941 getötet. Danach folgte im Rahmen der NS-Aktion „Sonderbehandlung 14f13“ bis Dezember 1944 die Ermordung von 12.000 Häftlingen aus Konzentrationslagern. Auch zahlreiche Geistliche gehörten zu den Opfern. Insgesamt ermordete man 310 polnische, sieben deutsche, sechs tschechische, vier luxemburgische, drei niederländische und zwei belgische Priester. Die Vergasung (dort als „Desinfektionen“ bezeichnet) erfolgte meist in Gruppen von 30 bis 60 Personen. Im Krematoriumsofen konnten bis zu acht Tote gleichzeitig verbrannt werden. Eine elektrische Mühle zermahlte die Knochen der Toten.

 

Ein Bruder von Virgilius, Pastor in Hubbelrath bei Düsseldorf, bestattete die zugesandte Urne im Grab der Mutter Maria Theresa Petri. Virgilius Petri wurde in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

 

Hermann Rieke-Benninghaus

 

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