Glaubenszeugnis Februar 2024

#Anton Spiess

Giuseppe Girottis Kreuzweg

 

 

Schon im Alter von 13 Jahren folgte der am 19. Juli 1907 in Alba im Piemont geborene Giuseppe Girotti seiner Berufung mit dem Eintritt ins kleine Seminar der Dominikaner im nahegelegenen Chiere. 1923 wurde er in den Orden aufgenommen, 1930 zum Priester geweiht, studierte dann in der Jerusalemer Bibelschule und lehrte schließlich in Turin als Professor am theologischen Seminar der Dominikaner sowie an der Hochschule der Consolata-Missionare. Wie später Papst Johannes Paul II. nannte Giuseppe Girotti bereits damals Juden die älteren Brüder der Christen. Im mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbündeten Italien verschaffte der Dominikanerpater verfolgten Juden sichere Verstecke und gefälschte Ausweise für die Flucht. Er hatte auch Kontakt zu Partisanen und setzte sich für die Freilassung von Gefangenen ein. Am 29. August 1944 wurde er verhaftet, nachdem ein Spion ihn verraten hatte. Über Gefängnisse in Turin, Mailand und Bozen führte sein Weg am 9. Oktober ins KZ Dachau. Als sich die neuen Gefangenen dort zur Desinfektion entkleiden mussten, sagte der Pater traurig: „Wir sind auf der zehnten Station des Kreuzwegs: Jesus wird seiner Kleider beraubt“.

 

Trotz anstrengender Arbeit in der „Plantage“ des Konzentrationslagers hatte er die Gabe, auch bei Schmerzen zu lächeln und große Demütigungen mit Demut und Sanftmut zu ertragen. Seine Kraftquelle waren die Eucharistie, das Gebet und das Studium des Wortes Gottes. Er zögerte nicht, bei Konflikten, etwa bei der Essensverteilung, schlichtend einzugreifen. In der Hölle des Lagers war seine Hilfsbereitschaft gegenüber Mithäftlingen sehr groß. Er schenkte einmal trotz seines ständigen großen Hungers sogar Brot und Käse einem Mitbruder: „Nehmen sie es, Sie sind jünger als ich und brauchen es mehr.”

 

Sein körperlicher Zustand verschlechterte sich Ende 1944 immer mehr. Der vom Hunger geschwächte Körper litt an Arthritis und einer Nierenentzündung. Giuseppe Girotti musste sich auf die Krankenstation des Lagers begeben, wo man auch Leberkrebs feststellte. Vier Wochen vor der Befreiung des KZ Dachau wurde der Dominikanerpater am Ostersonntag, dem 1. April 1945, durch eine Injektion mit Benzin ermordet. Sein Leichnam wurde in einem Massengrab auf dem Leitenberg in Dachau-Etzenhausen bestattet.

 

Schon im KZ hatten Kameraden die Heiligmäßigkeit des Paters erkannt. Einer schrieb auf das Brett über seiner Schlafstelle: „Hier schlief der heilige Giuseppe Girotti.“ Die Israelische Gedenkstätte Yad Vashem verlieh ihm 1995 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für sein selbstloses Engagement für verfolgte Juden. Zu seinen Ehren wurde in der Allee der Gerechten ein Baum gepflanzt. Giuseppe Girottis Seligsprechungsprozess wurde 26 Jahre nach dem Beginn 2014 in seiner Geburtsstadt Alba mit der Seligsprechung und der Anerkennung als Märtyrer abgeschlossen.

 

 

Klemens Hogen-Ostlender

 

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