Glaubenszeugnis August 2017

Wilhelm Paul Kempa

Wilhelm von Pechmann –

der konsequente Freiherr

 

Wer im 20. Jahrhundert lebte, konnte nicht übersehen, dass die Haltung der katholischen und der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus grundverschieden war. Während Kardinal Faulhaber in seinen Adventspredigten 1933 die sittlichen Werte des Judentums pries und die nationalsozialistische Weltanschauung in der Silvesterpredigt 1933 als unwissenschaftlich und menschenfeindlich darstellte, verfielen die evangelischen Pastoren mit jüdischen Wurzeln einer doppelten Verfolgung. Sie wurden sowohl vom nationalsozialistischen Staat als auch von weiten Teilen der evangelischen Kirche verfolgt. Darunter litt der Präsident der Evangelischen Landessynode in Bayern Wilhelm Freiherr von Pechmann, weil er am Liebesgebot Christi festhielt. Er dachte zwar patriotisch, aber nicht nationalistisch. Die Menschenrechte durften seiner Überzeugung nach weder national noch rassisch beschränkt werden, sondern müssten universal gelten.

 

Wilhelm Freiherr von Pechmann ist am 10. Juni 1859 in Memmingen geboren. Nach seiner juristischen Ausbildung machte er rasch Karriere und wurde Direktor der Bayerischen Handelsbank. Auch zahlreiche Ehrenämter der Evangelischen Landeskirche in Bayern wuchsen ihm zu. Er wurde u.a. Präsident der Evangelischen Landessynode und des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

 

Problematisch wurde sein Verhältnis zur eigenen Kirche jedoch im Nationalsozialismus. Am 26. April 1933 beantragte er im Kirchenausschuss ein Bekenntnis zu den nichtarischen Christen, verbunden mit einer Warnung an den Staat, „Grenzen der Gerechtigkeit nicht zu überschreiten“. Dieser Antrag wurde zu seinem Bedauern abgelehnt. Daraufhin trat er aus dem Kirchenausschuss und aus der Deutschen Evangelischen Kirche aus und in die oppositionelle „Bekennende Kirche“ ein. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 bat von Pechmann den Evangelischen Landesbischof Meiser um einen öffentlichen Protest und schrieb, „dass sich die Ausschreitungen der SA-Horden auch gegen die „katholische Kirche mit ihrem verehrungswürdigen Oberhirten und das Erzbischöfliche Palais in München richteten“. Die Evangelische Kirche solle sich jetzt mit einem Beschluss gegen die Judenverfolgung wenden und sich auf die Seite der katholischen Kirche stellen, „von welcher für das uns gemeinsame heilige Kreuz gekämpft wird. Denken Sie nur an einen Mann wie Pater Rupert Mayer!“. Auch diese Bitte von Pechmann blieb erfolglos. Daher sammelte er Hirtenbriefe katholischer Bischöfe, in denen gegen den Kirchenkampf protestiert wurde. Er dankte den katholischen Bischöfen mit Briefen für ihr Eintreten für die Rechte der Kirche. Der Berliner Bischof von Preysing schickte einen Brief des Herrn von Pechmann an Papst Pius XII., in dem der Protestant von Pechmann u.a. schrieb: „… unter einem solchen Papst und unter einem Episkopat wie dem heutigen wäre keinem der Reformatoren … eine Absage an Rom jemals in den Sinn gekommen.“

 

Hier hat Herr von Pechmann als ehrlicher Beobachter die Geschichte offenbar anders wahrgenommen als voreingenommene Ankläger späterer Zeiten. 1946 trat Wilhelm Freiherr von Pechmann in die katholische Kirche ein. Diesen Schritt begründete er so: „ … nicht leichten Herzens, aber dem unabweislichen Zwange des Gewissens folgend“ sei er in die katholische Kirche „heimgekehrt“. Als Herr von Pechmann am 10.02.1948 starb, lehnte es der Evangelische Landesbischof Meiser ab, an der Beerdigung teilzunehmen.

 

Eduard Werner

 

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