Glaubenszeugnis Juni 2021

Bechtel und Schlicker

Pater Titus Helde SDS
gibt sein Leben hin für die ihm anvertrauten Menschen

 

In der Taufe erhält er den Namen Josef. Der ll. Josef wird ihm als gerechter Beschützer zum Vorbild seines Lebens werden. Bei seinem Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Salvatorianer wird sein Ordensname Titus. Der hl. Titus ist der engste Schüler des Völkerapostels Paulus, der ihn Mitarbeiter und geliebten Sohn nennt. Und Pater Helde fügt seinem Namen das SDS-Kürzel an, das ihn als Angehörigen der Gesellschaft des Göttlichen Heilandes kennzeichnet. Durch seinen Märtyrertod verdient sich Pater Titus einen der Ehrentitel seines Taufpatrons: Custos virginum – Beschützer der Jungfrauen.

 

Am 5. Mai 1905 wurde Josef Helde in Radolfzell (Baden) geboren. Nachdem er eine kaufmännische Ausbildung durchlaufen hatte, spürte er den Ruf, in die Mission zu gehen. Bei den Salvatorianern machte er sein Abitur nach und begann dort das Noviziat im schlesischen Heinzendorf (Erzbistum Breslau). Nach der Priesterweihe am 29. Juni 1938 und verschiedenen Stationen erhielt Pater Titus im Herbst 1942 eine Aufgabe in Mistelbach, nördlich von Wien.

 

Er machte sich vor allem als Kinderseelsorger einen Namen. Seine Kindergottesdienste wurden zu einem starken Anziehungspunkt. Er war auch ein gesuchter Seelenführer im Beichtstuhl. Die Menschen spürten seine Nähe und seine eigene Erfahrung, wenn es um die Bekämpfung eines widerborstigen Willens ging.

 

Gegen Kriegsende sahen die Soldaten der Sowjetischen Armee die Frau als Beute der Sieger, als Lohn des Krieges, als Objekt ihres fundamentalen Hasses. Allein in Wien sollen von April bis Juni 1945 schätzungsweise 70.000 bis 100.000 Frauen vergewaltigt worden sein. Historiker gehen von 270.000 Vergewaltigungen durch Rotarmisten in Österreich aus. Eine Vielzahl von Selbstmorden der geschändeten Frauen war zu beklagen. Am 24. April 1945 wurden vier Mistelbacher Frauen begraben, die sich das Leben genommen hatten, weil sie das, was die russischen Soldaten ihnen angetan hatten, nicht mehr ertragen konnten.

 

„Nun, es kann sein, dass bald der Schrecken auch zu uns kommt. So Gott will, bin ich opferbereit“, schrieb Pater Titus Helde in seinem letzten Brief vom 29. März 1945, dem Gründonnerstag.

 

Noch am Tag vor seinem Tod hatte er gesagt: „Ich lasse mich eher erschießen, bevor ich die Soldaten ins Kolleg zu den Frauen lasse.“ Als am 21. April russische Soldaten in das Kolleg eindringen wollten, stellte er sich vor sie, um Frauen und Kinder zu schützen, die im Haus Zuflucht gefunden hatten. Schüsse trafen ihn, er verblutete im Laufe der Nacht. Es war einige Tage vor seinem 40. Geburtstag. Einen Sonntag zuvor hatte er die Worte aus dem Evangelium gelesen: „Der, dem die Schafe nicht gehören, der flieht. Der gute Hirte aber gibt sein Leben für seine Schafe.“

 

Hermann Rieke-Benninghaus

 

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