Glaubenszeugnis Januar 2022

Bechtel und Schlicker

Lehrling Heinz-Udo Hallau
wird von Hitlerjungen zu Tode geprügelt

 

 

„Höre Israel! Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ (Dtn 6, 4). Das Schma Jisrael spricht das Bekenntnis des Glaubens an den ewigen und einzigen Gott aus. Für den gläubigen Juden beginnt und endet der Tag mit diesem Satz im Gebet. Er begleitet den Menschen bis in seine Sterbestunde. Jüdische Märtyrer haben ihn als letzten Satz gesprochen.

 

Die Verherrlichung Gottes, die Heiligung seines göttlichen Namens, das Preisen Gottes mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, das ist das erste und wichtigste Gebot. Und der Verherrlichung Gottes kommt gleich die Heiligung des Lebens im Namen Gottes. Gottesliebe und Nächstenliebe sind die Antwort auf Gottes innige Liebe zu den Menschen (Mt 22, 37-40).

 

Wer gläubig aus diesem Geist lebt und handelt, der kann als vorbildlich angesehen werden. So hat das Bistum Münster das Informationsverfahren zu Wilhelm Frede abgeschlossen und die Unterlagen am 13. März 2020 im Vatikan eingereicht.

 

Wilhelm Frede, geboren am 29. Juni 1875 in Meiderich, war das älteste von sechs Kindern des Industriearbeiters Julius Frede und seiner Frau Adelgunde van Uedem. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung erhielt er 1897 eine Stelle als Buchhalter bei der Weingroßhandlung Remy in Kleve. 1898 wurde sein Arbeitgeber Remy zum ehrenamtlichen Niederländischen Konsul ernannt, und Frede übernahm zusätzlich die Dienste eines Konsulatsbediensteten. 1926 wurde Frede zum Vizekonsul ernannt.

 

Schon seit 1933 geriet er unter die Beobachtung der Gestapo. Ausreisewillige Klever Juden baten den gläubigen Vizekonsul um Hilfe. 52 der 200 Klever Juden konnten emigrieren. Frede verweigerte den „Hitler-Gruß“, nahm an Prozessionen teil, besuchte regelmäßig den Gottesdienst, übernahm Aufgaben in Kirche und Gesellschaft. Er galt als „fanatischer Katholik“ und „politisch unzuverlässig“.

 

Nach der Besetzung der Niederlande 1940 wurde das Konsulat in Kleve geschlossen. Frede betrieb unter dem Schutz des Schwedischen Konsulats Duisburg weiter eine „Schwedische Hilfsstelle“ und wurde auf Druck des Nazi-Regimes am 6.10.1941 aus dem Dienst entlassen. Am 3. November 1941 wurde er inhaftiert. Er sei ein Feind des deutschen Volkes, ein Begünstiger der Feindmacht und ein Judenfreund. Am 7. Februar 1942 wurde er ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er die Häftlingsnummer 41 087 erhielt. Der entlassene Mithäftling Gustav Thorum berichtete, dass Frede am 13. März 1942 starb, als er von Angehörigen der SS eine „Sonderbehandlung“ erfuhr: Bei eisigem Winterwetter wurde er an eine Wand gehängt und mit Wasser überschüttet, bis er erfroren war. Sein Leichnam wurde im KZ verbrannt.

 

Hermann Rieke-Benninghaus

 

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