Glaubenszeugnis Juli 2010

Probst Paul Huhn

Pater Rupert Mayer – der Münchner Männerapostel

 

München wird oft zu Unrecht als Stadt der Nazis dargestellt. In Wirklichkeit war München eher eine Stadt des Widerstandes, denn hier haben die Nazis bei den letzten freien Wahlen im November 1932 nur 18% der Stimmen erreicht. Während der Nazi-Zeit gingen viele Münchner möglichst nicht an der Feldherrnhalle vorbei, weil sie dort ein Nazi-Denkmal hätten grüßen müssen. Sie zogen deshalb scharenweise einen Umweg durch die Viscardigasse vor. Diese Gasse hieß daher im Volksmund auch „Drückebergergassl“. In München lebten auch die Attentäter Georg Elser und Freiherr von Leonrod. Schon ein flüchtiger Blick in das Martyrologium „Zeugen für Christus“ zeigt eine eindrucksvolle Zahl von Märtyrern aus München und Umgebung. Glücklicherweise ist jedoch die Zahl der Bedrohten und der KZ-Häftlinge, welche das Kriegsende 1945 lebend erreicht haben, sehr viel größer. Zu ihnen gehören Kardinal Michael Faulhaber und die Prälaten Johannes Neuhäusler, Dr. Emil Muhler und Dr. Michael Höck sowie die Politiker Dr. Josef Müller und Dr. Alois Hundhammer. Der bekannteste Überlebende war jedoch Pater Rupert Mayer.

 

Er ist 1876 in Stuttgart geboren. Um sich ganz Gott und der Seelsorge widmen zu können, wurde er Priester und Jesuit. 1912 kam er als Großstadtseelsorger nach München. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Soldatenseelsorger schwer verwundet und verlor ein Bein. Nach seiner Genesung nahm er in München seine Arbeit wieder auf. Während des I. Weltkrieges und vor allem nach Kriegsende konnten die Verarmten und Hoffnungslosen kaum auf eine nennenswerte öffentliche Fürsorge zählen. P. Rupert Mayer jedoch half und tröstete, wo er nur konnte. Einer Kommunistin, die ihm beim Betteln für Arme ins Gesicht spie, verzieh er spontan. Bald darauf hatte er Gelegenheit, dieser Frau in ihrer Not zu helfen. Neben kommunistischen Aufmärschen begannen bald auch die Nazis die Straßen zu erobern. Dagegen zog P. Mayer mit Tausenden von Münchnern betend und singend friedlich durch die Stadt. Wie Fritz Michael Gerlich auf politischem Gebiet gegen die Nazis aufklärte, tat dies P. Rupert Mayer auf religiösem Gebiet. Während Theodor Haecker, Carl Muth und Kurt Huber sich überwiegend an Studenten und Akademiker wandten, um vor den Nazis zu warnen, erreichte P. Rupert Mayer Menschen aller Stände: Arbeiter, Familien, Geschäftsleute und natürlich auch Akademiker. In den 30er Jahren wurde P. Mayer öfter verhaftet und wieder freigelassen. 1939 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, in das später noch 900 andere katholische Priester eingeliefert werden sollten. Die Nazis fürchteten die Macht des Wortes, über die Pater Mayer verfügte. Und das Volk glaubte ihm. Den schwer kranken Priester wollte die Gestapo jedoch nicht im KZ sterben lassen, weil er überaus populär war. Deshalb arrangierte die Polizei mit der Kirche einen Kompromiss. Sie brachte den Pater in das Kloster Ettal, wo er bis zum Kriegsende in einer Art Hausarrest leben musste. Dann kehrte er in das zerstörte München zurück, wo er nochmal mit altem Schwung an die Arbeit ging. Seine Lebenskraft war jedoch nach zwei Kriegen, nach Verfolgung und rastlosem Einsatz aufgezehrt. Trotzdem ließ er sich nicht gehen, sondern arbeitete inmitten der Ruinen. Am 1. November 1945 starb er während eines Gottesdienstes stehend am Altar. Pater Mayer wurde sofort wie ein Heiliger verehrt. Erst 1948 konnte sein Leichnam von Pullach in einem Triumphzug in die Münchner Bürgersaalkirche überführt werden, wo heute – 65 Jahre später – immer noch täglich Hunderte von Münchnern an sein Grab kommen. 1987 nahm Papst Johannes Paul II. diesen konsequenten und überaus populären Priester offiziell in den Kreis der Seligen der katholischen Kirche auf. Dafür waren die Menschen dankbar, denn sie wussten, dass P. Mayer das Wort Gottes ohne Rücksicht auf sein Leben verkündet hatte. Was er tun konnte, hat er getan und die Wirkung vertrauensvoll Gott überlassen. Das sehen wir an seinem Gebet: „Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit – und wann Du willst, bin ich bereit …“ Sein Vorbild leuchtet in unsere Zeit herüber.

Eduard Werner

 

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