Glaubenszeugnis Februar 2019

Wilhelm Paul Kempa

Dr. Otto Weiß:

„Für die Wahrheit einstehen!

 

Für christliche Wahrheiten einstehen mit dem Tod vor Augen? Regierungsrat Dr. Otto Weiß aus Mühlheim an der Ruhr hatte den Mut und die Kraft dazu. Als er im März 1944 von zwei Gefängnisbeamten in den Gerichtssaal des berüchtigten Blutrichters Freisler geführt wurde, rieten ihm diese, er solle seine Verschwörung gegen Hitler freimütig zugeben. Dann könne er vielleicht dem Todesurteil entgehen und auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Aber Otto Weiß lehnte diesen Rat entschieden ab. Vor allem wollte er keinen Mitverschwörer verraten. Er versuchte daraufhin umgekehrt, die Gefängnisbeamten von der Ungeheuerlichkeit des Nationalsozialismus zu überzeugen. Hitler und sein System seien für Deutschland das große Unglück, das unbedingt beseitigt werden müsse. Auch in dieser aussichtslosen Notlage berief sich Otto Weiß auf die Bibelstelle Mt 5,37  „Euer Ja sei ein Ja, Euer Nein ein Nein.“! Welch ein unerschütterlicher Glaube  an Christus und an ein Weiterleben nach dem Tod! Wie war es dazu gekommen? Otto Weiß wurde am 16. Januar 1900 in Mülheim an der Ruhr in einer bewusst katholischen Familie geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften war er als Kulturdezernent an der Bezirksregierung in Aachen tätig. In einer Zeit des wachsenden Nationalismus versuchte er gegenzusteuern. Er organisierte einen Kulturaustausch mit Belgien und den Niederlanden. Auch internationale Wallfahrten gehörten zum Programm. So legten neben vielen Priestern auch Laien für universale christliche Werte Zeugnis ab. Dabei geriet Weiß bald in Konfrontation mit der Ideologie der Nationalsozialisten. Nach einer ernsten Verwarnung wurde er in das weit entfernte Breslau strafversetzt. Der Verlust seiner jüdischen Freunde schmerzte ihn sehr. Schließlich  wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Dort sah er das Elend der Bevölkerung in Deutschland und in den besetzten Gebieten noch eindrucksvoller. In einem anonymen Brief an Hitler forderte er diesen zum Rücktritt auf. Auch Briefkopien an mehrere Minister erbrachten keine sichtbare Reaktion. Darauf nahm er Kontakt zum Widerstandskreis des früheren Leipziger Oberbürgermeisters Goerdeler auf. Dieser Kreis war jedoch zu groß, um die Geheimhaltung gewährleisten zu können. So wurde Otto Weiß verraten, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ist er angesichts geringer Erfolgsaussichten ein zu hohes Risiko eingegangen? Sein Tod ist ein klares Zeugnis für Christus. Der Zuchthauspfarrer schrieb den Angehörigen, dass Sohn Otto den Tod ruhig und gefasst erwartet habe und wie ein Heiliger gestorben sei. „Für ihn brauchen Sie nicht zu beten, wohl können Sie ihn um Fürbitte anrufen.“ Möge der Himmel dem deutschen Volk die Erkenntnis schenken, dass es viele Helden und Heilige hervorgebracht hat, die bei der heutigen Verwirrung in der Kirche als deutliche Vorbilder wirken könnten

 

Eduard Werner

 

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