Glaubenszeugnis Februar 2012

Joseph Hastreiter und das Martyrium
der Schulbrüder
Es ist weithin bekannt, dass unter Hitler europaweit 4000 katholische Priester ermordet wurden. Nicht bekannt ist dagegen, dass unter dem Einfluss des Nationalsozialismus auch in Asien katholische Missionare auf entsetzliche Weise hingerichtet wurden. Da die deutsche Hitlerregierung und das japanische Kaiserreich Verbündete waren, sahen viele japanische Soldaten die katholischen Missionare in Ostasien auch als ihre Feinde an, denn sie wussten um den Gegensatz zwischen der katholischen Kirche und dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland. Die Ausgangslage für die Sicherheit katholischer Missionare in den fernöstlichen Ländern unter der japanischen Besatzung in Korea und auf den Philippinen war daher ungünstig. Das mussten vor allem die Missionare der Schulbrüder erfahren. Zu ihnen gehörte Bruder Gerfried Joseph Hastreiter aus Furth im Wald in der Oberpfalz. Er wurde dort 1912 als Sohn tieffrommer Eltern geboren. Er wollte sein Leben als Lehrer und Jugendseelsorger Gott weihen. Deshalb trat er schon in jungen Jahren in den Orden der Schulbrüder ein, wo er zum Lehrer für Religion und Physik ausgebildet wurde. Nach einem Einsatz in Ceylon (Sri Lanka) kam er als Lehrer an das St. Josephs College in Honkong. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden jedoch auf Betreiben Großbritanniens alle deutschen Missionare aus Hongkong ausgewiesen. Deshalb wurden diese Missionare nach Manila auf den Philippinen versetzt. Auch dort bewunderten die Schüler den Lehrer Hastreiter wegen seines profunden Wissens und wegen seiner totalen Hingabe an den Beruf. Zusammen mit 30 Mitbrüdern unterrichtete Hastreiter an der angesehensten Schule des Landes. Zu seinen Kollegen gehörten auch die Brüder Baptist und Antonius aus der Zentraleuropäischen Ordensprovinz, die er schon von der Ausbildung her kannte. Vor ihren Augen sollte er ein schlimmes Schicksal erleiden. Die blühende Bildungsarbeit endete nämlich bald abrupt.
Das japanische Militär hatte die Philippinen besetzt und verteidigte das Land vehement gegen die angreifenden Amerikaner. Den national denkenden Japanern waren die international denkenden Katholiken verdächtig. Deshalb stürmten sie am 12. Februar 1945 die Klosterschule mit aufgepflanzten Bajonetten. Schon in der Eingangshalle erschossen sie einige Schulbrüder und die katholischen Zivilisten aus der Stadt, die sich in die Klosterschule geflüchtet hatten. Den meisten Opfern gönnten die Japaner jedoch keine Kugel. Auf diese wehrlosen Menschen schlugen sie ein, schlitzten ihnen den Bauch auf und erschlugen sie. Nur wenige Schulbrüder konnten sich im dunklen Keller verstecken. Dem Massaker fielen 17 Brüder und 41 Zivilisten zum Opfer. Der schwer verwundete Bruder Antonius stellte sich tot und überlebte. Neben ihm wurde eine Mutter erschossen. Ihren Sohn rettete Bruder Baptist, indem er eine Matte über ihm ausbreitete. Dann legte sich der schwer verwundete Bruder Baptist auf die Matte, bevor er selbst starb. Unter den toten Lehrern war auch Bruder Joseph Hastreiter. Hatte der Tod dieser Missionare einen Sinn? Sie wollten ihre Freude am Glauben und ihre Hoffnung auf das ewige Leben an andere Menschen weitergeben. Nur Gott kann ihren Schmerz in ewige Freude verwandeln.
Heute wird in Afrika und Asien alle fünf Minuten ein Christ wegen seines Glaubens ermordet.
Diese Christen werden ermordet, obwohl sie gar keine Mission betreiben. Vielmehr müssen sie ihren Glauben verstecken. Gegenüber diesen Märtyrern gibt es in unserer Kirche in Deutschland viel zu wenig Solidarität.
Eduard Werner