Glaubenszeugnis August-September 2022

Bechtel und Schlicker

Selige Schwester M. Paschalis Jahn
Weiße Rose aus Tschechien

 

 

Magdalena Jahn wurde am 9. April 1916 in Neisse in Oberschlesien geboren. Der Vater zog 1926 aus wirtschaftlichen Gründen nach Herne in Westfalen. Die Familie und Magdalena zogen später nach. 1934/35 arbeitete sie als Hausgehilfin im Gesellenhaus der Kolpingsfamilie in Wuppertal-Barmen.

 

Nach Neisse zurückgekehrt, trat sie am 30.3.1938 in die Kongregation der Grauen Schwestern von der hl. Elisabeth ein und erhielt den Ordensnamen Paschalis. Sie berichtete ihren Eltern: „Nun gehören wir nicht mehr der Welt an, sondern ganz und gar nur noch unserem himmlischen Bräutigam.“ Von 1939 bis 1942 war sie in den Niederlassungen in Kreuzburg und Leobschütz tätig. Ab April 1942 diente sie den alten und kranken Schwestern in Neisse als Köchin.

 

In einem Brief an die Eltern schrieb sie: „Ja, ja das alte Jahr hat viel Kummer und Elend auf die Menschheit gebracht, und das neue Jahr scheint noch viel schlimmer zu werden. Jetzt müssen auch wir uns auf das Schlimmste gefasst machen. (...) Aber wir wollen den Mut nicht sinken lassen. Stehen ja alle in Gottes Hand. Nichts geschieht ohne seinen Willen.“

 

Auf Anweisung ihrer Oberin floh Sr. Paschalis beim Anmarsch der russischen Truppen auf Neisse aus dem Kloster nach Zöptau (Kreis Mährisch-Schönberg) im Sudetengau zu anderen Flüchtlingen.

 

Am Freitag, dem 11. Mai 1945, kam ein Russe mit dem Fahrrad an der Schule vorbei. Er hielt und betrat das Gebäude. Schwester M. Paschalis wollte gerade die Treppe hinuntergehen. Erschreckt lief sie in ein Zimmer zurück. Im nächsten Augenblick riß der Rotgardist die Tür auf und forderte die junge Schwester auf, ihm zu folgen. Gefasst sprach sie: „Ich gehöre Christus!“ und wies auf ihr Kreuz am Rosenkranz hin. Der Soldat fasste sie an den Armen. Die Schwester riss sich los. Der Russe gab einen Schuss in die Zimmerdecke ab. Als er die Schwester nochmals aufforderte, mit ihm zu kommen, erwiderte sie entschlossen: ,„Erschießen Sie mich. Christus ist mein Bräutigam, nur ihm gehöre ich!“ Sie kniete nieder, nahm das Kreuz in die Hand, küsste es und betete: „Ich bitte alle um Verzeihung, sollte ich ihnen weh getan haben. Mein Jesus, gib mir die Kraft zu sterben.“ Der Russe schoss. Die Schwester fiel nach hinten und war sofort tot.

 

Am 11. Juni 2022 war im Dom zu Breslau die Seligsprechung von Sr. M. Paschalis und neun Mitschwestern, die gleichfalls Märtyrerinnen sind.

 

Hermann Rieke-Benninghaus

 

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